Blog

Immunsystem außer Kontrolle
Allergien und Autoimmunerkrankungen
Kennen Sie das Gefühl? An einem sonnigen Tag im Februar oder März, spazieren sie nach draußen, atmen bewusst die frische, kühle Winterluft tief ein. Schon spüren sie das Kitzeln in der Nase oder die juckenden Augen! Die Heuschnupfen-Saison hat begonnen.
Bei einer derartigen Allergie, die durch Pollen von verschiedenen Bäumen und Sträuchern ausgelöst wird, reagiert unser Immunsystem auf eigentlich harmlose Stoffe. Ferner kennen wir Allergien auf verschiedenste Lebensmittel, Tierhaare und vielem mehr. Der Begriff „Allergie“ stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den Wörtern „allos“ (anders) und „ergein“ (arbeiten) zusammen. Dies deutet darauf hin, dass das Immunsystem bei dieser Erkrankung auf besondere Weise reagiert. In einem optimal funktionierenden Abwehrsystem arbeiten verschiedene Organe, Zelltypen und Stoffe in perfektem Zusammenspiel zusammen, sodass der Mensch über eine effektive Abwehrkraft verfügt. Bei allergischen Reaktionen hingegen funktioniert diese Zusammenarbeit nicht, der Körper reagiert auf im Grunde gefahrlose Substanzen. Während sich bei Allergien die fehlgeleiteten Immunantworten gegen fremde Partikel richten, zielen sie bei Autoimmunerkrankungen auf eigene Körperstrukturen ab. In Deutschland und vermutlich auch in Österreich sind fast ein Drittel der Menschen von Allergien betroffen, Schätzungen zufolge haben fünf bis acht Prozent eine Autoimmunerkrankung.
Die Ursachen dieser Fehlregulation liegen in unserer modernen, industrialisierten Lebensweise. Umweltmediziner haben festgestellt, dass die zunehmende Belastung durch chemisch-synthetische Stoffe in Luft, Kleidung und Reinigungsmitteln einen wesentlichen Faktor darstellt. Dieses Übermaß an Umweltschmutz steht einem Mangel an „natürlichem“ Schmutz gegenüber. Die industriell verarbeitete Nahrung enthält zahlreiche Moleküle, die nicht in echte Lebensmittel gehören, während die Böden durch intensive Landwirtschaft ausgelaugt sind. Wir verbringen viel Zeit in geschlossenen Räumen, haben wenig Bewegung und sind verschiedenen Stressfaktoren wie Lärm und Elektrosmog ausgesetzt, was unsere Mikrobiota außerdem negativ beeinflusst. Daher ist keineswegs verwunderlich, dass manche Menschen gegenüber dieser belastenden Umwelt mit einer Abwehrreaktion reagieren. Bei Autoimmunerkrankungen richten sich diese Reaktionen gegen körpereigene Strukturen. Bekannt sind verschiedene Formen von Allergien, etwa der Früh- und Spättyp, und sie werden nach dem auslösenden Stoff benannt. Letztlich basiert jedoch jede hypersensitive Reaktion auf der gemeinsamen Ursache eines fehlgeleiteten Abwehrsystem.
Grundsätzlich bedarf nicht jede überschießende Reaktion eine Therapie. In manchen Fällen reicht eine Lebensstilanpassung. Beispiele sind etwa regelmäßiges Staubsaugen und Vermeidung von Teppichböden bei einer Staubmilbenallergie oder Abstinenz des Allergens wie etwa bei gewissen Lebensmitteln. Ferner zählen Nasenspülungen oder Haarewaschen oder -spülen bei Pollinose zu derartigen Maßnahmen. Zur natürlichen Begleitung von Allergiesymptome und Kupierung der Symptome können verschiedene Optionen angezeigt sein.
Ein besonders beliebtes Mittel ist das Gemmomazerat der schwarzen Johannisbeere, das die Ausschüttung körpereigenen Cortisols aus der Nebennierenrinde fördert. Außerdem regt es den Stoffwechsel an, entgiftet und wirkt entzündungshemmend. Weitere hilfreiche Pflanzen sind die Hundsrose und die Rotbuche, die zur Stabilisierung der Mastzellen beitragen. Die Knospe der Walnuss wirkt als hervorragendes Lymphmittel und unterstützt die Darmflora. Darüber hinaus symbolisiert die Walnuss eine Abgrenzung zur Außenwelt, was sich in der stacheligen Hülle des Samens widerspiegelt.
Die Süßholzwurzel ist eine der ältesten bekannten Arzneipflanzen und wird seit Jahrtausenden bei Lungenleiden eingesetzt. Heute ist ihre starke, entzündungshemmende Wirkung bekannt. Tragant, eine chinesische Heilpflanze mit langer Tradition, hat sich als Therapeutikum bei immunvermittelten Störungen bewährt. In Studien wurden immunmodulatorischen Effekte sowie antientzündliche und antiasthmatische Eigenschaften belegt. Die Pflanze kommt n Österreich als Nahrungsergänzungsmittel oft in Kombination mit Vitamin C auf den Markt, wodurch das Immunsystem während der Allergiezeit unterstützt wird.
Aus dem Reich der Pilze sind zahlreiche Anwendungen im Asiatischen Raum beschrieben: Der schmackhafte Mandelpilz bringt das Immunsystem ins Gleichgewicht und wird vielfach bei Allergien und Autoimmunerkrankungen genutzt. Der glänzende Lackporling, auch als Reishi bekannt, wird ebenfalls unterstützend bei hypersensitiven Reaktionen eingesetzt, wobei die Anwendung von erfahrenen Therapeuten begleitet werden sollte.
Ein wenig bekanntes, aber wirkungsvolles Mittel ist der Schwarzkümmel. Das Öl, das aus seinen Samen durch Kaltpressung gewonnen wird, kann die Symptome von Allergien, insbesondere bei allergischem Asthma, deutlich verbessern. Die Hemmung der Histaminfreisetzung macht das Öl zu einem geeigneten Mittel bei Pollinosen und Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wobei die Einnahme von einem Teelöffel des kaltgepressten Öls zweimal täglich über einen längeren Zeitraum empfohlen wird.
Die Erfahrung zeigt, dass sich ein aus dem Gleichgewicht geratenes Immunsystem mit natürlichen Mitteln wieder stabilisieren lässt. So kann der Spaziergang zu jeder Jahreszeit wieder unbeschwert genossen werden.
Allergikertee
Hb. Millefolii
Hb. Euphrasiae
Hb. Virgaureae aa 20
Flos Neroli
Flos Malvae aa ad 100
M.f. spec.
1TL pro Tasse, 2-3 Tassen pro Tag
Juckreizlindernder Tee (nach Friedemann Garvelmann)
Hb. Galii veri
Hb. Violae tricoloris
Fol. Melissae aa ad 100
M.f. spec.
1TL pro Tasse, 2-3 Tassen pro Tag
Verfasserin: Mag. pharm. Dr. Gabriele Kerber-Baumgartner, Apothekerin Apotheke Hofwiese